Cannondale Topstone Carbon Lefty – Eine Wucht auf zwei Rädern

Das Topstone Carbon wurde letztes Jahr vorgestellt und hat vor kurzem eine Schwester oder Bruder bekommen, das Topstone Carbon Lefty. Wenn man Cannondale kennt, weiß man, was das heißt: Das neue Topstone ist nicht nur hinten gefedert, sondern ab jetzt auch vorne. Und es ist sensationell. Aber alles der Reihe nach.

Kingpin, hm?

Das Topstone Carbon ist eines der vielseitigsten Räder am Markt: Man kann damit ordentlich schnell durchs Gelände fahren, auch ziemlich ruppiges Terrain ist diesem Gravel-Rad ziemlich egal, und auf der Straße ist es auch ordentlich flott. Es hat aber eine Eigenschaft, das es von anderen Gravel-Rädern unterscheidet, nämlich die Kingpin-Federung im Heck: Bis zu 30 Millimeter Federweg stehen zur Verfügung, ganz ohne komplizierter Federelemente oder Dämpfer. Es ist lediglich ein Pivot-Punkt notwendig, der sogenannte Kingpin, und ein bisschen Magic beim Aufbau der Kettenstreben und man fährt unglaublich komfortabel durch die Gegend. Das alles kennen wir jetzt eben seit gut einem Jahr.

Lefty?

An den Blick aufs Cockpit mit Lefty muss man sich gewöhnen. Wir finden ihn großartig.

Neu hinzugekommen ist die neueste Version der Lefty Oliver, basierend auf der aktuellen Lefty Ocho. Die Lefty ist eine Federgabel, die nur mit einem Federbein auskommt, auch das ist einzigartig bei Cannondale, und in der achten Generation wurde diese ordentlich überarbeitet und funktioniert fantastisch. Da man für das Topstone keine 100 Millimeter Federweg braucht, hat man die neueste Version der Oliver (die beispielsweise beim Cannondale Slate verbaut war, dem direkten Vorgänger des Topstones) entwickelt und nun stehen auch vorne 30 Millimeter Federweg zur Verfügung. Und das ist wie es so schön heißt ein Gamechanger.

Volles Tempo, volle Kontrolle, voller Komfort

Verstecken kann man sich mit diesem Fahrrad nur recht schlecht.

Bisher war es nämlich ab und an so, dass das Topstone Carbon in Sachen Komfort an der Front an seine Grenzen gestoßen ist. Die Carbon-Gabel arbeitet hervorragend, aber sie kann Schläge natürlich nicht so wegstecken wie eine Federgabel. Diese Einschränkung ist jetzt Geschichte. Egal, ob man mit hoher Geschwindigkeit über Wurzelpassagen zimmert oder über groben Schotter, das Fahrwerk schluckt vorne und hinten unglaublich viel weg, man fährt fast wie auf Wolken, hat aber nie das Gefühl, den Kontakt mit der Außenwelt zu verlieren. Hände und Hintern bekommen ausreichend Feedback, um zu wissen, ob man eh noch Bodenkontakt bzw. Grip hat, aber dieses Feedback haut dir nicht die Plompen raus und macht auch die Hände nicht müde. Man kann schneller fahren, man kann länger fahren und das macht Spaß. Auch das Einlenken in Kurven macht große Freude, das Topstone Carbon Lefty fährt immer dorthin, wo es hin soll bzw. wo man es hinsteuert. Das gibt auch in engen, schnellen Passagen viel Sicherheit, man möchte die eigenen Grenzen ausloten und so schnell fahren, wie es das Rad zulässt. Und das ist schnell.

An den Blick aufs Cockpit muss man sich gewöhnen. Wir finden ihn großartig.

Ein Unterschied zum ungefederten Topstone Carbon ist die Laufradgröße: Man hat statt 700C 650B große Laufräder verbaut, dadurch haben breitere Reifen Platz (von Haus aus in 47c Breite, dazu später noch mehr), diese haben natürlich auch Einfluss auf den Komfort. Mittlerweile stellt die Laufradgröße in Sachen Reifenauswahl kein Problem mehr da, es gibt mehr als genug Reifen und Laufräder, wenn man sich beispielsweise mal ein Upgrade gönnen möchte.

Stichwort Reifen

Das Topstone Carbon Lefty 1 mit neuen Schuhen.

Von Haus aus kommt das Topstone mit WTB Reifen daher, vorne ein Sendero in 47C, hinten ein Byway in der selben Breite, also vorne leichtes MTB, hinten Gravel. Damit rollt man recht flott dahin, hat aber beispielsweise im Gelände vor allem hinten eher wenig Grip, der breite Byway schwimmt fast auf der Oberfläche und das kann Bremsmanöver oder Kurven recht tricky machen. Wir haben beispielsweise Pirelli Cinturato Gravel Mixed aufgezogen und damit hat sich der Charakter des Rads deutlich geändert: Im Gelände hat man damit viel mehr Biss in Kurven und auch auf der Straße rollt er ok dahin. Bei kaum einem anderen Fahrrad ist aus unserer Sicht die Rolle der Reifen so groß wie beim Topstone Carbon Lefty, man kann es sehr deutlich in Richtung Straße optimieren oder es in ein Mountainbike mit Rennradlenker verwandeln, die Plattform, der Rahmen ist vielseitig genug.

Ah, Stichwort vielseitig: Man kann in diesem Rad auch eine versenkbare Sattelstütze verbauen. Wir sagens nur.

Die Versionen

Topstone Carbon Lefty 1
SchaltwerkSRAM X01 Eagle eTap AXS
KassetteX01 Eagle, 10-50, 12-Gang
KurbelSRAM Force AXS 1-fach, 40 Zähne
BremsenSRAM Force eTap AXS, 160/160mm
LeftyLefty Oliver Carbon, 30 mm
LaufräderHollowgram 23 Carbon
FarbeChameleon
Preis7499€
Topstone Carbon Lefty 3
SchaltwerkShimano GRX 800 Wide
KassetteShimano SLX, 11-42, 11-Gang
KurbelCannondale 1, BB30a, OPI SpideRing, 40T
BremsenShimano GRX 400 hydraulic disc, 160/160mm
LeftyLefty Oliver Aluminium, 30 mm
LaufräderWTB ST i23 TCS
FarbeMantis, Stealth Grey
Preis3799€
Topstone Carbon Lefty 3Women’s
SchaltwerkShimano GRX 800 Wide
KassetteShimano SLX, 11-42, 11-Gang
KurbelCannondale 1, BB30a, OPI SpideRing, 40T
BremsenShimano GRX 400 hydraulic disc, 160/160mm
LeftyLefty Oliver Aluminium, 30 mm
LaufräderWTB ST i23 TCS
FarbeAlpine
Preis3799€

Wir haben das Topmodell ausgiebigst getestet, das Topstone Carbon Lefty 1. Mit einer SRAM Force / Eagle AXS-Schaltung und der Carbon-Version der Lefty Oliver und Carbon-Laufrädern spielt dieses Rad natürlich so ziemlich alle Stücke, hat aber mit 7499€ seinen Preis. Aber die Fahreigenschaften und die Eindrücke gelten so auch für die die anderen Modelle. Das Topstone Carbon Lefty 3 gibt es in 3 verschiedenen Farben (die Damenversion ist baugleich mit der Herrenversion, allerdings nur bis Größe Medium verfügbar) mit Shimano GRX-Ausstattung um 3799€ und ist aus unserer Sicht die vernünftige Wahl. Wenn Geld keine Rolle spielt, dann muss es das Topmodell sein, schon allein wegen der Lackierung. Das Testrad steht im Übrigen jetzt zum Verkauf…

Das perfekte Rad?

Das Hollowgram-Cockpit macht auch einiges her.

Ist das Cannondale Topstone Lefty das perfekte Rad? Nein. Dieses kann es aus unserer Sicht aber auch nicht geben. Aber es ist sehr nahe dran. Vor allem wenn man ein Rad sucht, mit dem man eigentlich wirklich alles machen kann, dann sollte man das Topstone Lefty ins Auge fassen. Man könnte bekritteln, dass man ein etwas gedämpftes Fahrgefühl hat, wenn man draufsitzt, man fährt deutlich schneller, als es sich anfühlt. Das sollte man nicht vergessen, wenn man mit anderen gemeinsam fährt und im Gelände ein wenig forsche Gangart anschlägt. Und natürlich kann man das Topstone Carbon Lefty nur mittels Packtaschen langstreckentauglich machen, Gepäckträger oder Schutzbleche gehen nicht. Dafür hat man ein Rad, wo man die Route in Wahrheit nicht planen muss, es findet sich immer ein Weg von A nach B, völlig egal, ob auf der Straße, im Schotter, durchn Wald oder auf der Mountainbikestrecke. Ein feines, unglaublich gut durchdachtes Fahrrad.

Bock drauf? Wir haben mehrere Modelle lagernd.

Das Topstone in seiner natürlichen Umgebung.
Das Race Around Austria im Selbstversuch

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